An den internationalen Ölbörsen überwiegt aktuell die Unentschlossenheit und sorgt für erhöhte Volatilität bei den Preisen. Insgesamt herrscht ein Spannungsfeld zwischen der Aussicht auf eine deutliche Angebotsverknappung in den kommenden Monaten und der allgemeinen Rezessionsangst und den daran geknüpften Nachfragesorgen.

 

Grundsätzlich scheint die einhellige Einschätzung der meisten Marktexpertinnen und -experten zu sein, dass die Versorgungslage mit Rohöl in der zweiten Jahreshälfte knapper werden wird. Ein Hauptgrund dafür sind die starken Förderkürzungen der OPEC+, die ihre Fördermengen ab Mai um über 3,6 Millionen Barrel pro Tag reduzieren wird.

 

Während ein Angebotsdefizit am Ölmarkt die Preise üblicherweise in die Höhe treibt, birgt die starke Produktionskürzung der 23 Länder umfassenden Allianz auch Potenzial für sinkende Preise. Schließlich könnten die höheren Preise, zu denen die OPEC+ Verknappung führen dürfte, der Nachfrage wieder einen Dämpfer versetzen. Davor warnte zumindest die in Paris ansässige Internationale Energieagentur (IEA) letzte Woche.

 

Wahrscheinlich wäre ein solches Szenario vor allem dann, wenn die Inflation wieder steigt oder zumindest auf hohem Niveau bleibt und die internationalen Notenbanken gezwungen wären, ihre Zinsstraffungen weiterzuführen. Und hier droht ein Teufelskreis, denn die Inflation steigt vor allem dann, wenn die Energiepreise durch die Decke gehen. Damit zeigt sich, wie diffizil es ist, ein Marktgleichgewicht herzustellen, in dem so viele Faktoren von einander abhängig sind.

 

Die Verunsicherung und Unentschlossenheit der Marktteilnehmerinnen und -teilnehmer zeigt sich schon seit einigen Tagen am Kursverlauf, der von stärkeren Preisschwankungen geprägt ist, ohne dass sich eine Richtung klar durchsetzen kann. Bei den Inlandspreisen sorgen heute vor allem Währungsgewinne für erfreuliche Abschläge. Heizöl kostet heute etwa -0,30 bis -0,90 Euro/100 l weniger als gestern Vormittag.