Die knappe Versorgungslage am globalen Ölmarkt ist längst zur Chefsache geworden. Nicht nur in Europa sucht die Politik händeringend nach Alternativen für russisches Öl und Gas, auch andere Verbraucherländer spüren die Auswirkungen der Energieknappheit. Wenn es nach dem britischen Premier Boris Johnson geht, soll die OPEC+ das Problem lindern. Er schließt sich damit den Forderungen der USA und anderer Verbraucherländer an.

 

So ist Johnson der Ansicht, dass die OPEC und ihre Partnerländer (OPEC+) ihre Fördermengen erhöhen müssen. „Es mag einige Fragen darüber geben, wie viel mehr die Saudis zum aktuellen Zeitpunkt noch herausschlagen können,“ so Johnson am gestrigen Montag. Nichtsdestotrotz „müssen sie mehr Öl fördern – ohne Frage.“ Saudi-Arabien ist nach Fördermenge der größte Ölproduzent der Kern-OPEC und möglicherweise auch der OPEC+. Vor dem Überfall auf die Ukraine hatte Russland diese Position inne gehabt.

 

Auch US-Präsident Joe Biden hatte zuletzt angekündigt, er wolle bei seinem für Mitte Juli geplanten Staatsbesuch in Saudi-Arabien bei den Golfstaaten erneut für eine deutliche Produktionssteigerung werben. Vergangene Forderungen dieser Art hatte die OPEC+ in den letzten Monaten entweder ignoriert oder darauf verwiesen, keine Handhabe gegen die Auswirkungen des Krieges zu haben.

 

Seit geraumer Zeit seigt sich allerdings noch ein ganz anderes Problem, den viele der 23 OPEC+ Mitgliedsstaaten haben noch mit den Nachwirkungen der Coronakrise zu kämpfen und können ihre Ölfördermengen gar nicht erhöhen. Und so bleibt das Produzentenbündnis schon seit Jahresanfang ständig hinter seinen Produktionszielen zurück. Diese sollten theoretisch monatlich steigen, um die 2020 beschlossenen Förderkürzungen sukzessive abzubauen. Doch praktisch hinkt die OPEC+ wohl mindestens 2,5 Millionen Barrel pro Tag hinterher.

 

Die Verbraucherländer hatten ihre Hoffnungen deshalb eigentlich auf die OPEC-Schwergewichte Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gesetzt. Diese schienen zuletzt als einzige noch genügend Kapazitäten zu haben, um ihre Produktionsmengen deutlich nach oben zu schrauben. Doch auch daran sind in den letzten Wochen Zweifel aufgekommen, nachdem der emiratische Energieminister twitterte, man fördere schon mit maximaler Auslastung.

 

Es stellt sich also die Frage, ob die OPEC+ diesmal auf die Bitten der westlichen Verbraucherländer eingeht. Der britische Premier Johnson betonte gegenüber den Abgeordneten des britischen Unterhauses die „starken und produktiven Beziehungen mit Saudi-Arabien“. Ob er damit allerdings mehr erreicht als Biden, der die OPEC und Saudi-Arabien in der Vergangenheit eher vorwurfsvoll zu einer stärkeren Anhebung der Förderung aufgefordert hatte, bleibt abzuwarten.