Im Vorfeld der OPEC+ Sitzung am kommenden Sonntag reißen die Spekulationen der Marktbeobachter über die weitere Förderstrategie des Produzentenbündnisses nicht ab. Die Gerüchteküche brodelt heftig und von Produktionssteigerungen, die vor zwei Wochen schon für einen Preisrutsch gesorgt hatten, über eine Beibehaltung der aktuellen Strategie bis zu einer neuerlichen Kürzung ist an Vermutungen schon alles dabei gewesen.

 

Aus Insiderkreisen hieß es gestern Abend nun, dass die OPEC+ ihre aktuellen Kürzungen von zwei Millionen Barrel pro Tag wahrscheinlich erst einmal unverändert beibehalten wird. Eine weitere Produktionskürzung könnte zwar diskutiert werden, sei jedoch aus Sicht der Insider eher unwahrscheinlich. Die Tatsache, dass das Meeting virtuell abgehalten wird, spreche zudem für ein schnelles Votum, so die Quellen.

 

Die OPEC+ wird in ihren Entscheidungsprozess sicherlich mit einbeziehen, ob die EU sich bis dahin auf eine Ölpreisobergrenze einigen konnte. Diese Maßnahme soll Ölverkäufe aus Russland unter einer bestimmten Grenze ermöglichen, und damit das Ölangebot aufrecht erhalten und gleichzeitig die Öleinnahmen Russlands schmälern. Doch bisher scheint es in dieser Frage keinen Konsens zu geben.

 

Die Auffassungen über die Höhe des Preisdeckels, der nur Wirkung entfalten würde, wenn er unter dem Preis liegt, den Russland aktuell am Markt für seine Mengen erzielt, gehen weit auseinander. Vor allem die baltischen Staaten und Polen fordern eine deutlich tiefere Obergrenze bei 30 Dollar, während zuletzt ein Vorschlag von 62 Dollar diskutiert wurde. Der Marktpreis für russisches Öl liegt aktuell etwa bei 63,50 Dollar.

 

Wenn die EU sich nicht bis Sonntag einigen kann, wird das EU-Embargo auf russische Rohöllieferungen, dass schon vor Monaten beschlossen worden war, ohne den Preisdeckel eingeführt. Damit wären dann alle Ölexporte aus Russland, die auf dem Seeweg nach Europa kommen, von dem Einfuhrverbot betroffen, was die Angebotslage erneut verschärfen könnte.

 

Eine zusätzliche Förderkürzung der OPEC+ wäre unter diesen Voraussetzungen dann wirklich unwahrscheinlich. Die Allianz unter Führung Saudi-Arabiens, der auch immer noch Russland als größter Partner angehört, war allerdings in der Vergangenheit immer wieder für Überraschungen gut, so dass am kommenden Sonntag im Grunde alles möglich ist.