Die USA und Iran haben sich offenbar auf eine Feuerpause verständigen können, so dass am Markt wieder Hoffnung auf eine diplomatische Lösung des Konfliktes am Persischen Golf einkehrt. Entsprechend haben die börsengehandelten Rohölpreise übers Wochenende nachgegeben und auch auch bei den Produktkontrakten kam es zu deutlichen Abschlägen. Dies überträgt sich heute auch auf die Inlandspreise, die im Vergleich zu Freitag günstiger sind. Langfristig betrachtet sorgen die umfassenden globalen Angebotsprobleme aber nach wie vor für ein hohes Preisniveau im Vergleich zu den Vorjahren.

Kurzfristige Heizölpreisentwicklung
Mit der jüngsten geopolitischen Entwicklungen geben die Inlandspreise im Wochenvergleich spürbar nach. So kosteten 100 Liter Heizöl am Freitag noch durchschnittlich 140,30 Euro, heute hingegen lag der Preis für 100 Liter im Bundesdurchschnitt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Meldung bei 135,37 Euro und damit fast 5 Euro niedriger. Im Vergleich zu letzten Montag ist der Preisunterschied nicht ganz so signifikant, bleibt mit fast 3 Euro aber immer noch spürbar. Dennoch liegt der Durchschnittspreis heute deutlich oberhalb des Niveaus von Ende Juni, als es im Nahen Osten noch nach einer nachhaltigen Befriedung ausgesehen hatte. So kosteten 100 Liter Heizöl am 27. Juni 113,79 Euro, 19% weniger als heute.

Langfristige Preisentwicklung
Wie stark der Einfluss des Iran-Konfliktes auch auf die Inlandspreise ist, zeigt sich besonders bei der Betrachtung der langfristigen Heizölpreisentwicklung und im Mehrjahresvergleich. Hier ist deutlich zu sehen, dass die Preisniveaus zu Beginn des Jahres sogar unter den Durchschnitten der Vorjahre lagen. Doch mit Ausbruch des Iran-Krieges Ende Februar machten die Börsen einen Satz nach oben und zogen die Inlandspreise mit. Innerhalb weniger Wochen stieg Heizöl um über 66% auf den bisherigen Höchststand von 164,51 Euro am 7. April. Seitdem blieben die durchschnittlichen Preise im Bundesgebiet konstant über dem Niveau der letzten drei Jahre – und das teilweise sehr deutlich. Auch heute kosten 100 Liter Heizöl daher im Schnitt fast 47% mehr als im Vorjahr.

 


Was
spricht aktuell für steigende Preise?

– Naher Osten bleibt Konfliktherd
Die Konfliktsituation im Nahen Osten bleibt weiterhin Thema, denn die Sperrungen wichtiger Wasserstraßen sorgen trotz der jüngsten Waffenruhe auch weiterhin für Angebotsprobleme. So ist inzwischen nicht nur die Straße von Hormus gesperrt, auch im Roten Meer kommt es immer wieder zu Angriffen durch die vom Iran gestützten Huthi.

– Ukraine setzt Angriffe auf russische Ölanlagen fort
Die Ukraine setzt ihre Angriffe auf russische Raffinerien und Schiffe fort und versucht ihr bestes, die russische Ölverarbeitung und Exportmöglichkeiten einzuschränken und zu beschädigen. Das reduziert das Angebot von Ölprodukten am Weltmarkt aktuell deutlich.

– Angebotsausfälle in Kasachstan
Durch einen Drohnenangriff wurde schon letzte Woche ein wichtiger Export-Terminal im Schwarzen Meer beschädigt. An diesem wird üblicherweise der Großteil der Ölmengen aus Kasachstan exportiert. Durch den Ausfall an dem Hafen kommt es zu einem zusätzlichen Angebotsausfall, der am Ölmarkt die Preise stützt.

– Niedrige Wasserpegel und hohe Frachtraten
Die aktuelle Trockenheit sorgt seit Wochen dafür, dass die Binnenschifffahrt auf den deutschen Wasserstraßen immer schwerer wird. Je niedriger die Wasserpegel, desto weniger Ladung kann transportiert werden, was zu hohen Frachtraten und zu Problemen bei der Nachversorgung führt. Auch in den nächsten Tagen dürfte sich, trotz leichter Regenfälle, an dieser Situation nicht viel ändern.

Was spricht aktuell für sinkenden Preise?

– Neue Waffenruhe zwischen USA und Iran
Nach wochenlanger Eskalation schweigen die Waffen im Persischen Golf aktuell wieder. Am Markt weckt das die Hoffnung, dass die diplomatischen Kanäle zwischen den beiden Kriegsparteien wieder geöffnet werden können. Doch noch bleiben die Marktteilnehmer skeptisch, ist es doch beileibe nicht das erste Mal, dass eine Waffenruhe kurz hält, nur um dann wieder gebrochen zu werden. 

Die genannten Heizölpreise beziehen sich stets auf den deutschlandweiten Durchschnittspreis bei einer Bestellung von 3.000 Liter Heizöl Standard schwefelarm inklusive 19% MwSt. Außerdem fallen durch Transportkosten die Preise regional unterschiedlich aus. Stand der Preise 27.07.202