Eine turbulente Handelswoche liegt hinter den internationalen Ölbörsen, die heute sogar mit einem leichten Minus enden könnte – und das, nachdem die Preise zum Anfang des Monats eine veritable Preisrallye hingelegt hatten. Haupttreiber für den Ölpreis bleibt die Risikolage im Nahen Osten, allerdings sind in dieser Woche einige Faktoren hinzugekommen, die die Preise eher drücken. Davon profitieren heute auch die Heizölpreise im Inland.

 

Möglicher Vergeltungsschlag Irans erhöht Risikoprämie
Seit dem Angriff der Hamas auf Israel im Oktober tobt der Krieg im Gazastreifen und hat die Risikolage im Nahen Osten massiv erhöht. Zuletzt hatten sich vor allem die Spannungen zwischen dem Iran und Israel verschärft, da Teheran Israel für den Angriff auf die iranische Botschaft in Damaskus Anfang April verantwortlich macht und mit Vergeltung gedroht hat. Dabei ist die größte Gefahr, dass sich der Krieg wie ein Flächenbrand auf andere Länder ausbreitet und dann auch die Ölversorgung in Mitleidenschaft zieht.

 

So hatte der Iran erst vorgestern mit der Sperrung einer wichtigen Wasserstraße, der Straße von Hormus, gedroht. Durch diese Passage vor der Küste des Iran werden täglich etwa 21 Millionen Barrel Öl transportier, also ein Fünftel des täglichen globalen Ölbedarfs. Eine Blockade dieses Transportweges würde die Preise an den Ölbörsen vermutlich explodieren lassen. Allerdings zeigt das Zögern des Iran – auch, was den angedrohten Vergeltungsschlag betrifft – dass eine stärkere Eskalation auch nicht im Interesse Teherans ist.

 

Dennoch rechnet man am Ölmarkt damit, dass der Iran in irgendeiner Form reagieren wird, zumal auch die USA in dieser Woche eindringlich gewarnt hatten, dass ein Vergeltungsschlag unmittelbar bevor stehen könnte. Experten rechnen damit, dass dieser allerdings eher von einer der Stellvertreterorganisationen, wie etwa der Hisbollah-Miliz aus dem Libanon, durchgeführt werden könnte. So lange der Markt auf diesen Vergeltungsschlag wartet, bleibt auch die Risikoprämie an den Ölbörsen erhöht.

 

Zinspolitik wirkt sich auch auf Ölbörsen aus
Allerdings sind in dieser Woche einige Faktoren hinzugekommen, die die Preise an den Ölbörsen eher nach unten drücken. Der wichtigste unter ihnen ist zweifellos die Zinspolitik der großen Notenbanken. Denn während die europäische Notenbank gestern klar signalisiert hatte, im Juni mit Zinssenkungen starten zu wollen, sieht es in den USA danach aus, als würde die Fed noch eine ganze Weile abwarten wollen.

 

Auch in den USA hatte man in den ersten Monaten des Jahres fest mit einer frühen Zinswende in diesem Jahr gerechnet. Doch die Konjunktur- und Inflationsdaten der letzten Monate haben den Anlegern in dieser Beziehung einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Denn die Preisteuerung ist in den USA längst nicht so stark zurückgegangen wie erhofft. Zudem scheint die US-Wirtschaft mit den hohen Zinsen recht gut zurecht zu kommen, so dass inzwischen frühestens im September mit einer Zinssenkung gerechnet wird.

 

Den Dollar hat das in den letzten Tagen ordentlich beflügelt. Die US-Währung schoss mit einem unerwartet starken Anstieg der US-Inflation am Mittwoch in die Höhe und belastete dadurch die Ölbörsen, denn Öl wird weltweit meist in Dollar gehandelt. Kostet dieser mehr, verlieren die Ölpapiere ihre Attraktivität für Anleger aus anderen Währungsräumen. Doch das ist nicht der einzige preisdrückende Faktor. Denn je länger die Hochzinsphase, so die Befürchtung, desto größer die Belastung für die Wirtschaft und damit auch die Ölnachfrage des größten Ölverbrauchers der Welt.

 

Heizöl zum Wochenende noch einmal günstiger
Mit diesen widerstreitenden Faktoren am Ölmarkt zeigte sich der Handel an den Ölbörsen in dieser Woche sehr schwankungsanfällig, was sich auch auf die Heizölpreise im Inland übertrug. Kurz vor dem Wochenende können die Verbraucherinnen und Verbraucher in der Bundesrepublik noch einmal von etwas günstigeren Preisen profitieren, denn 100 Liter Heizöl kosten heute im Vergleich zu gestern etwa -0,70 bis -1,30 Euro weniger.